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18.10.2017
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3 KLEINBUSSE KÖNNEN 100 AUTOS ERSETZEN

Wie eine App den Verkehr revolutionieren will

Dr. Tom Kirschbaum, Gründer und Geschäftsführer der Door2Door GmbH

Dr. Tom Kirschbaum, Gründer und Geschäftsführer der Door2Door GmbH [Quelle: Door2Door GmbH]


Es klingt bestechend einfach - per App bestellt man den Bus und schon kommt der und fährt flexible Strecken. Das Modell auf einer technischen Plattform der Door2Door GmbH wird jetzt in zwei Städten ausprobiert. "Die neuen Angebote sollen den ÖPNV nicht ablösen, sondern nachhaltig verändern und ein wesentlicher Bestandteil des Nahverkehrs werden", erklärt Dr. Tom Kirschbaum, Gründer und Geschäftsführer der Door2Door GmbH.


Im niederbayerischen Freyung und Duisburg werden Shuttle-Busse auf Abruf getestet – flexibel in Zeit und Strecke. Inwieweit können solche flexiblen Lösungen den klassischen ÖPNV mit Strecken und Haltestellen ablösen?
Die neuen Angebote sollen den ÖPNV nicht ablösen, sondern nachhaltig verändern und ein wesentlicher Bestandteil des Nahverkehrs werden. Das Ziel ist es, einen On-Demand-ÖPNV zu schaffen, d.h. einen Nahverkehr, der sich an die Menschen richtet und nicht umgekehrt, wie es bisher der Fall war. Deswegen kooperieren wir mit Verkehrsunternehmen und Städten, damit sie derartige Lösungen - also ‘Shuttle Busse auf Abruf’ bzw. Rideshare Angebote, in denen sich Fahrgäste die Fahrten teilen -  eigenständig betreiben können und Entscheidungsträger über die Mobilität in ihrer Stadt bleiben. Wir liefern mit unserer integrierten Mobilitätsplattform alle technischen Lösungen, die für den Betrieb notwendig sind. Das ist auch genau der Ansatz, den wir in Duisburg und Freyung verfolgen.

Die Pilotprojekte laufen in einer Kleinstadt und im Innenstadt-Bereich einer Großstadt. Für welche Arten von Siedlungen ist der Bus per App besonders geeignet?
Ridesharing ist sowohl für die Städte als auch für ländliche Gegenden geeignet. In den Städten kann Ridesharing den Menschen den Weg zur nächsten U-Bahn oder S-Bahn Station verkürzen, starre Fahrpläne anreichern und eine flexible Verkehrsmöglichkeit bieten, die das eigene Auto ersetzen kann. Studien haben gezeigt, dass drei Kleinbusse auf Abruf, in denen sich die Menschen die Fahrten teilen und die in den bestehenden ÖPNV eingebettet sind, 100 Pkws ersetzen können. Für Städte, die meistens alle an einem viel zu hohen Verkehrsaufkommen leiden, wäre das eine enorme Chance hin zu einer autofreien Stadt. In ländlichen Gegenden hingegen ist es oftmals der Fall, dass gar kein Nahverkehr existiert bzw. zum Teil nur sehr sporadisch. Die On-Demand-Lösungen bieten somit ein neues Verkehrsmittel, das die Lebensqualität der Menschen erhöht, in denen es ihnen mehr Flexibilität in der Gestaltung ihres Alltags, besseren Zugang zu Arbeitsplätzen bietet und die Abhängigkeit zum eigenen Auto deutlich reduziert.

Die Fahrten sollen so flexibel wie Taxis und so preiswert wie der ÖPNV sein – auf welcher Basis sollte die Abrechnung erfolgen?
Die Abrechnung erfolgt in der App und der Preis wird vom Betreiber des Services festgelegt. Da wir davon ausgehen, dass mehr und mehr Städte und Gemeinden unsere Plattform nutzen werden und die Shuttles in den ÖPNV integriert werden, wird auch der Preis nicht stark von den regulären ÖPNV Preisen abweichen. Betrachten Sie es als eine Serviceverbesserung des ÖPNVs und nicht als eine Alternative zum ÖPNV.

Die Bestellung der Fahrt erfolgt per Apps – wie bleiben Menschen ohne Smartphone mobil?
Die Bestellung wird weiterhin nur per App möglich sein. In Deutschland haben fast 70% der Menschen Smartphones. Das ist die weitgehende Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung.