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24.11.2017
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BAYERN INVESTIERT 5,5 MILLIARDEN BIS 2022 IN DIE DIGITALISIERUNG

Wie eine neue Stabsstelle in der Bayerischen Staatskanzlei digitale Initiativen steuern soll

Dr. Marcel Huber, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei und Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Sonderaufgaben

Dr. Marcel Huber, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei und Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Sonderaufgaben [Quelle: Bayerische Staatskanzlei]


Mit großen Investitionen will Bayern "die Potenziale in der digitalen Entwicklung bestmöglich für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze im Land zu nutzen", sagt Staatsminister Dr. Macel Huber. Davon könnten auch andere Regionen profitieren. "Vielleicht können wir anderen Ländern ja als Vorbild dienen."


Der Freistaat hat umfangreiche Investitionen in die digitale Infrastruktur angekündigt. Wo steht Bayern in Sachen Digitalisierung?
Wir stehen sehr gut da. München ist die digitale Hauptstadt Europas. Internationale Spitzenunternehmen wie Google, IBM, Microsoft oder Huawei haben sich bewusst für den Standort Bayern entschieden. Wir wollen weiter an der Spitze des digitalen Fortschritts stehen – im Dienste der Menschen. Die Staatsregierung investiert in einem ersten Schritt 2,5 Mrd. Euro bis 2018 in den digitalen Aufbruch von Unternehmen, Schulen, Hochschulen und Verwaltung. Dazu gehört unter anderem ein Förderprogramm für den Breitbandausbau. Kürzlich hat die Staatsregierung einen Masterplan für die Fortsetzung der Digitalisierungsstrategie BAYERN DIGITAL beschlossen. Wir werden bis 2022 weitere 3 Mrd. Euro investieren. Auch hier spielt der Breitbandausbau eine wichtige Rolle. Wir wollen angesichts der rasanten technischen Entwicklung bei der digitalen Infrastruktur den notwendigen Sprung in die Gigabit-Gesellschaft schaffen. Weitere Kernthemen des Masterplans sind digitale Bildung und IT-Sicherheit sowie digitale Anwendungen in allen Lebensbereichen, zum Beispiel Gesundheit, Umwelt, Mobilität und Landwirtschaft. Die Koordination dieses Zukunftsthemas werde ich künftig mit einer Stabsstelle von der Staatskanzlei aus übernehmen.

Neben der Infrastruktur sind auch Themen wie Bildung oder Sicherheit ein Schlüssel für die digitale Zukunft. Was sind die dringendsten Herausforderungen in Sachen Digitalisierung in Bayern jenseits des Netzausbaus?
Bildung ist sicher ein Mega-Thema. Alle Menschen müssen in allen Lebensphasen richtig auf die digitalen Entwicklungen vorbereitet werden. Der Masterplan bietet dazu die richtigen Konzepte: Zum Beispiel wird Informatik Pflichtfach an Mittelschule, Realschule und Gymnasium; an den Hochschulen werden zusätzliche Studienangebote in digitalen Zukunftsbereichen geschaffen; die betriebliche Aus- und Weiterbildung wird gezielt gestärkt. Ganz wichtig ist es aber auch, insgesamt positive Perspektiven für das gesellschaftliche Zusammenleben in der digitalen Welt aufzuzeigen und die Bürgerinnen und Bürger mit in die digitale Zukunft zu nehmen. Die Digitalisierung ist ein gewaltiger technologischer, vor allem aber auch ein gesellschaftlicher Umbruch. Den damit verbundenen Herausforderungen wollen wir mit den richtigen Zukunftskonzepten begegnen. Die Menschen sollen nicht bloß von der Digitalisierung Betroffene sein, sondern Beteiligte und Mitgestalter werden. Nur wenn wir das Thema digitaler Wandel von allen Seiten beleuchten und nicht allein auf Technik und Wirtschaft begrenzen, erreichen wir eine echte Breite in der Diskussion und Akzeptanz in allen Gesellschaftsschichten.

Neben Bayern hat auch Baden-Württemberg Milliarden-Investitionen angekündigt. Drohen die reichen Südländer andere Regionen abzuhängen?
Es geht nicht darum, jemanden abzuhängen. Für Bayern steht im Mittelpunkt, unsere Potenziale in der digitalen Entwicklung bestmöglich für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze im Land zu nutzen. Davon können auch andere Regionen profitieren. Vielleicht können wir anderen Ländern ja als Vorbild dienen. Es lohnt sich auf jeden Fall, das Zukunftsthema Digitalisierung frühzeitig anzupacken.

Die Digitalisierung erfordert auch Gründer- und Unternehmergeist sowie Innovationsbereitschaft. Welche Anreize setzt Ihre Regierung dafür?
Um dieses Thema kümmern wir uns auf vielfältige Weise. So schaffen wir etwa in jedem Regierungsbezirk mit digitalen Gründerzentren ein fruchtbares Ökosystem für junge Unternehmerinnen und Unternehmer. Im Rahmen unseres Zentrums Digitalisierung.Bayern fördern wir unter anderem Nachwuchsforschungsgruppen, Doktorandenprogramme und studentische Innovationslabore. Ein wichtiges Element unseres Masterplans ist die Stärkung des akademischen Nachwuchses in digitalen Kerndisziplinen. Wir investieren unter anderem in eine Ausbildungsoffensive Software-Engineering. Neue Studienangebote sollen Informatikkompetenzen in unterschiedlichen Disziplinen wie z.B. Medical Engineering and Data Science, Human Centric Engineering und Agrarforschung stärken. Gleichzeitig bauen wir digitale Kompetenzen im bayerischen Mittelstand aus, beispielsweise mit dem „Digitalbonus Bayern“. Dieses Förderprogramm ist ein ganz konkretes Angebot an kleinere und mittlere Betriebe. Handwerker und Mittelständler sollen einen Anreiz erhalten, die Umstellung auf neue digitale Systeme und Geschäftsmodelle in Angriff zu nehmen oder ihre IT-Sicherheit zu verbessern. Zu unserer Digitalisierungsoffensive gehört aber auch, die Weiterbildung für die Arbeitswelt 4.0 zu fördern.