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12.12.2017
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27.02.2017 INTERVIEW
POLITIK | NETZE

DEUTSCHLAND BRAUCHT KONVENTIONELLE KRAFTWERKE

Was die Digitalisierung am Strommarkt ändert - und was nicht

Prof. Dr. Konrad Kleinknecht, Institut für Physik an der Universität Mainz

Prof. Dr. Konrad Kleinknecht, Institut für Physik an der Universität Mainz [Quelle: Sick]


"Die Strompreise für deutsche Verbraucher sind unter den höchsten in Europa", konstatiert der Wissenschaftler Prof. Dr. Konrad Kleinknecht. Schuld ist die hohe Abgabenquote. Im Zuge der Digitalisierung müssen aus seiner Sicht die Sicherheitsstandards und die Verschlüsselung der Kommunikation "wesentlich weiter ausgebaut werden".


Die Deutschen befürworten flexible Stromtarife nach dem jeweiligen Energie-Angebot – viele um Kosten zu sparen. Inwieweit sind flexible Tarife auch günstiger?
Die Strompreise für deutsche Verbraucher sind unter den höchsten in Europa, ca. 28 Cent/kWh, verglichen mit den französischen Preisen von ca. 11 Cent/kWh. Das liegt hauptsächlich an den staatlichen Umlagen für erneuerbare Energien und für den Netzausbau durch das EEG. Die EEG-Umlage betrug im Jahr 2016 ca. 24 Milliarden Euro oder ca. 6,5 Cent/kWh. Hinzu kommen andere staatliche Abgaben wie Stromsteuer etc. Insgesamt ist vom Strompreis mehr als die Hälfte den staatlichen Abgaben geschuldet. Seit dem Jahr 1998 hat sich der Strompreis um 70 Prozent erhöht, die staatlichen Abgaben haben sich durch die Ökoabgaben vervierfacht.

Die Preise der verschiedenen Anbieter unterscheiden sich nicht wesentlich, günstigere Angebote beruhen meistens auf Wechselprämien, die für ein Jahr gewährt werden. Nach einem Jahr muss auch der neue Lieferant denselben Preis verlangen, um auf seine Kosten zu kommen.

Eine überwältigende Mehrheit begrüßt den kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien bis 2050. Was bedeutet der Komplettumstieg für die Energieproduktion und die Netze?
Der Komplettumstieg ist nicht möglich, da für den Strom aus den fluktuierenden Stromquellen Wind und Sonne keine ausreichenden Speichermöglichkeiten existieren. Nach dem gegenwärtigen Entwicklungsstand und der voraussichtlichen Weiterentwicklung wird es auch in 30 Jahren nicht möglich sein, zu ökonomischen Kosten den riesigen Bedarf an Stromspeichern zu decken, der für einen Komplettumstieg notwendig wäre. Auch die Verdoppelung oder Verdreifachung der Leistung von Windkraft- und Solaranlagen kann nicht den Strombedarf in windstillen Winternächten decken. Deutschland kann nicht auf konventionelle Kraftwerke verzichten.

Viele Befragte sorgen sich bei Smart-Metern um die Sicherheit – über die Hälfte befürchtet Hackerangriffe, knapp ein Drittel sieht Datenschutz-Probleme. Wie lässt sich der Missbrauch der digitalen Infrastruktur verhindern?
Die Gefahr durch Hackerangriffe oder Softwarefehler bei der Benützung von remote-steuerbaren Smart-Metern ist real. Die Sicherheitsstandards und die Verschlüsselung der Kommunikation müssen wesentlich weiter ausgebaut werden, um fremdgesteuerte Blackouts zu vermeiden.