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24.11.2017
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DIGITALE AUSSTATTUNG ALS KAUFARGUMENT FÜR HOTELGÄSTE

Wie die Digitalisierung im Hotelzimmer Einzug hält

Moritz Dietl, geschäftsführender Partner der TREUGAST Solutions Group

Moritz Dietl, geschäftsführender Partner der TREUGAST Solutions Group [Quelle: TREUGAST Solutions Group]


"Eine Vernetzung zwischen Hotel (Gruppe) und Gast wird zukünftig „normaler“ für die Gäste werden", prognostiziert Moritz Dietl, geschäftsführender Partner der TREUGAST Solutions Group. TREUGAST zählt zu den führenden Unternehmensberatungen der Hospitality-Branche.


Hotels werden immer mehr zu Wohlfühloasen. Neben Freizeit-, Wellness- und Genussangeboten wird auch das Thema Entertainment im Hotelzimmer immer wichtiger. Welche Angebote sollten Hotels für die Gäste bereithalten? Wie Pay-TV, Film- und Musikstreaming, Smart-TV, Internet etc.
Die Antwort auf die Frage ist sicherlich vom Konzept und der Zielgruppe abhängig:
Generell sollte das Angebot auf die jeweilige Klientel abgestimmt sein. Ein schnelles, kostenfreies Internet sollte heutzutage aber Standard und dies, spätestens nach dem Wegfall der Störerhaftung, ohne große Anmeldeprozedere verfügbar sein.

Digitale Gästemappen wie Suitepad oder hausinterne Tablet Lösungen sind eine gute Alternative zur klassischen Gästemappe und können durch optionale Schnittstellen zum Spa und F&B Bereich, für direkte Buchungen der Gäste vom Zimmer sorgen. Das birgt Cross-Sale-Potenzial und vereinfacht die Prozesse! Die Zukunft liegt dabei unserer Meinung nach allerdings auf dem jeweils eigenen Smartphone. Über webbasierte Apps die direkt im Browser geöffnet werden können, ohne lästiges Herunterladen von Apps auf das Telefon.

Das Thema Pay-TV ist in Deutschland sicherlich nicht mehr so erwähnenswert. War es früher noch ein Millionengeschäft gerade im Bereich der Erotik, sind heute durch Streaming Dienste wie Netflix, Amazon Prime etc. individuellere Produkte am Markt, die Hotelgäste auf Ihren Reisen immer zur Verfügung stehen, sofern diese durch das Hotel-WiFi nicht geblockt werden.

Durch das schnelle Internet sind die Gäste oft in der Lage, ihre Programme direkt auf dem Endgerät zu streamen. Wenn nun mittels HDMI oder am besten drahtlos via Android oder Apple TV eine Schnittstelle bereitgestellt werden kann, macht das gleich doppelte Freude. Wie das me and all by Lindner Hotel in Düsseldorf zeigt, ist die Konnektivität durch eine integrierte Smart-TV-Lösung für Streaming sowie eine Bluetooth-Schnittstelle hier eine klare Botschaft an die anvisierte Zielgruppe.

Millenials und „digital natives“ sowie Technikaffine aller Altersstufen empfinden dieses Angebot jedoch zunehmend als vollkommenen Standard, während ältere Gäste sich eventuell von den Auswahlmöglichkeiten des Hauptmenüs überfordert fühlen und eigentlich „nur“ den Fernseher nutzen wollen. Eine Bluetooth Docking Station für die eigene Musik bietet ebenfalls einen Wohlfühlfaktor, wobei natürlich dabei auf den Schallschutz geachtet werden sollte.

Welchen Stellenwert sollten Designaspekte in Verbindung mit modernen Entertainment-Lösungen haben?
Die technischen Lösungen sollten sich nahtlos in das Design des Zimmers einfügen. So kann der Anspruch an die jeweilige Designthematik gewahrt werden ohne das störende Kabel zu sehen sind.Bei einem jugendlichen Konzept wie dem Ruby Hotel in München gibt es zum Beispiel Subwoofer die sowohl für die Gitarre (die man an der Rezeption leihen kann) als auch für die eigene Musik genutzt werden können. Diese passen hervorragend in die Zimmer und bieten einen Eyecatcher. Es sollte dabei immer auf die Raumakustik und das Klangbild geachtet werden! Bei jeglichen technischen Einbauten muss zeitgleich der Grundnutzen des Hotelzimmers als Rückzugsort und Schlafraum gewahrt werden.

Wie wichtig sind nach Ihrer Einschätzung Hotel-TV- oder Hotel-Radio- Lösungen?
Streaming und die Individualisierung die damit einhergeht wird zukünftig einen noch höheren Stellenwert bekommen! Eigene Hotel-TV und Radio Lösungen sind zwar für große Hotelketten eine gute Möglichkeit eine eigene Vermarktung zu betreiben und durch die Medien gezielte Angebote zu bewerben, jedoch lohnt sich dies für kleine Häuser und Ketten weniger, ein eigenes Programm anzubieten.

Welche Inhalte sollten dort für die Hotelgäste ausgestrahlt werden?
Ein eigenes Programm, sei es im Video- oder Audioformat, sollte mit der CI des gesamten Hotels korrespondieren. Informationen über den Standort und die Region sind ebenso interessant wie die kulturelle Identität von Land und Leute, gerade in Urlaubsdestinationen. Gleichzeitig können Angebote des Hotels die mit den Ausstrahlungen korrespondieren angeboten werden, um so ein ganzheitliches Erlebnis für die Gäste zu promoten.

Welche Rolle spielen moderne und digitale Technologien generell als Verkaufs- und Gästebindungstool? Ist das ggf. gut für den Umsatz?
Eine herausstechende digitale Ausstattung ist für viele Gäste ein Kaufargument, da schlechte Verbindungen in unterschiedlichen Stockwerken, überteuerte Preise für Highspeed-WLan und komplizierte Richtlinien gerade Geschäftsreisende und ausländische Gäste negativ in Ihrem Erlebnis beeinflussen.

Eine Vernetzung zwischen Hotel (Gruppe) und Gast wird zukünftig „normaler“ für die Gäste werden. Anbieter wie Hotelbird vernetzen den Gast mit dem Hotelier und ermöglichen durch Vielfältige Schnittstellen von der Buchung bis zur Öffnung der Tür alles über das Smartphone zu regeln!

Es ist zu laut einer Studie von Burda Forward zu erwarten, dass sich diese Bereitschaft in den nächsten Jahren steigern wird und deshalb werden digitale Vorreiter in der Hotellerie einen Vermarktungsvorteil gerade bei jüngeren Zielgruppen haben. Aktuell hat die Benutzung dieser Technik noch eine geringere Akzeptanz als bei der Benutzung von Zügen oder Flügen.

Wie bereits erwähnt können Lösungen wie Suitepad oder auch Code2Order in dem die Gäste Anwendungen buchen oder Tische reservieren können, zu höheren Upsale Umsätzen führen! Auch durch app-basierte Angebote können dem Gast via Push-Nachricht gezielt Angebote vorgeschlagen werden!

Was macht für Sie ein perfektes Hotel aus?
Ein perfektes Hotel ist ein Zuhause auf Zeit! Das können keine technischen Lösungen allein bieten. Hotellerie bleibt ein People‘s Business, in dem technische und digitale Innovationen jedoch helfen können Prozesse zu vereinfachen, um so den Mitarbeitern mehr Zeit zu geben, sich um ihre Gäste zu kümmern. Wenn diese jedoch auch eher ihr Smartphone als den Gast anschauen, dann ist Digitalisierung sicherlich an dieser Stelle nicht der richtige Weg! Deshalb sollte der eigentliche Bezug zur Dienstleistung nicht verloren gehen! Das Haus muss leben und eine Geschichte erzählen, die für den Gast spürbar ist.