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24.11.2017
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E-MOBILITÄT WIRD ENERGIEWIRTSCHAFT GRUNDLEGEND VERÄNDERN

Was für sinnvolle Massen-E-Moblität anders werden muss

Andreas Irmer, Geschäftsführer der Berliner Stadtwerke

Andreas Irmer, Geschäftsführer der Berliner Stadtwerke [Quelle: Berliner Wasserbetriebe / Die Hoffotografen GmbH]


"Der Ausbau regenerativer Quellen muss viel stärker vorangetrieben werden, um einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können", sagt Andreas Irmer, Geschäftsführer der Berliner Stadtwerke mit Blick auf die E-Mobilität. Denn fossile Kraftstoffe durch Strom aus fossilen Energiequellen zu ersetzen, sei ein eher fragwürdiger Ansatz.


Der Ausbau der Elektromobilität in Deutschland ist beschlossene Sache. Welche Bedeutung hat das für Strom- und Energiewirtschaft?
Dies wird die Energiewirtschaft grundlegend verändern, denn für den flächendeckenden Ausbau der Elektromobilität muss sowohl die Versorgungs- als auch die Infrastrukturfrage geklärt werden. Um Millionen gleichzeitiger Ladevorgänge zu ermöglichen, müssen wir Erzeugungs- und Verbrauchsprofile aneinander angleichen, was die regenerativen Energiequellen anbelangt. Es geht um Ladeinfrastruktur, Speicherung und dezentrale Erzeugung: Um dies quartiersbezogen zu synchronisieren, ist meiner Überzeugung nach intelligente, softwaregestützte Plattformlösungen notwendig.

Sind die Netze ausreichend ausgebaut oder braucht es neue Netzstrukturen für die E-Mobilität?
Nein, die bestehenden Netze reichen dafür nicht aus – aber Netzausbau kann nicht die alleinige Lösung sein. Wir setzen auf dezentrale Versorgungseinheiten, die flexibel und möglichst ohne weitere Belastung der Netze auf den Verbrauch reagieren können.

Wie steht es um die Sicherstellung von genügend Strom auch bei einer flächendeckenden Verkehrsinfrastruktur auf E-Basis? Kurz gefragt könnten 46 Millionen PKWs, die heute mit fossilen Brennstoffen unterwegs sind, auch als E-PKW zu jeder Zeit mit Strom betankt werden?
Diese Strommengen sind aus erneuerbaren Quellen derzeit schlicht nicht verfügbar. Und fossile Kraftstoffe durch Strom aus fossilen Energiequellen zu ersetzen, ist ein eher fragwürdiger Ansatz. Der Ausbau regenerativer Quellen muss viel stärker vorangetrieben werden, um einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können. Ebenfalls wichtig: die Art der Energiespeicherung. Hier muss man sich insbesondere vor dem Hintergrund begrenzter Rohstoffe und der ökologischen Abbaubedingungen, die mit ihrer Gewinnung verbunden sind, die Frage stellen, ob wir schon das richtige Speichermedium für Strom zur mobilen Anwendung in Elektroautos gefunden haben. Neues Denken ist erforderlich, um ökonomisch wie ökologisch sinnvolle alternative Speichermedien zu schaffen. Wer sagt denn, dass das Elektroauto am Strom hängen muss wie der Benziner an der Zapfsäule? Hier sind etwa mobile Energy Packs, die man an der Tankstelle austauscht, nur ein Beispiel für die Innovationen, die wir benötigen.

Welche energiepolitischen Rahmenbedingungen muss die Politik schaffen, damit das Wunschkind E-Mobilität auch in der Praxis funktioniert? Stichworte Energiewende, Kohlestrom, Atomstrom, Zukauf von Strom etc.
Eine Kaufprämie allein reicht sicherlich nicht aus. Wir müssen das Pferd sozusagen von vorn aufzäumen: Die Politik muss nicht nur die Voraussetzungen für die Bereitstellung der erforderlichen Kapazitäten aus regenerativen Quellen schaffen sondern auch für eine Vereinheitlichung der Ladetechnologien und Abrechnungsmodalitäten sorgen. Und die Automobilindustrie muss Fahrzeuge auf den Markt bringen, die in Sachen Komfort und Reichweite den Autos mit Verbrennungsmotor in nichts nachstehen, sonst klappt der Umstieg nicht.