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23.08.2017
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03.03.2017 | INTERVIEW ZUR DEBATTE: ZUM DEBATTENVERLAUF →

FLEXIBILITÄT KANN STROMPREISE TEURER MACHEN

Warum die Steuerlast von rund 54 % am Endverbrauchspreis runter muss

Prof. Dr. Manuel Frondel ist Leiter des Kompetenzbereiches Umwelt und Ressourcen am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Prof. Dr. Manuel Frondel ist Leiter des Kompetenzbereiches Umwelt und Ressourcen am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung [Quelle: RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung]


Der deutsche Spitzenforscher Prof. Dr. Manuel Frondel am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen findet grundsätzlich flexible Stromtarife ökonomisch wünschenswert. "Allerdings kommt es sehr auf das Verbraucherverhalten an, ob dies am Ende für den Einzelnen kostengünstiger kommt als die bisherigen starren Tarife. Flexibilität bedeutet eben auch, dass zu manchen Zeiten Strom teurer ist als heute." Vernünftige Preise und echte Flexibilität werden nach Einschätzung Frondels vor allem aufgrund des hohes Anteils an Abgaben und Steuern von rund 54 % am Endverbrauchspreis verhindert.


Die Deutschen befürworten flexible Stromtarife nach dem jeweiligen Energie-Angebot – viele um Kosten zu sparen. Inwieweit sind flexible Tarife auch günstiger?
Grundsätzlich sind flexible Stromtarife ökonomisch wünschenswert, allerdings kommt es sehr auf das Verbraucherverhalten an, ob dies am Ende für den Einzelnen kostengünstiger kommt als die bisherigen starren Tarife. Flexibilität bedeutet eben auch, dass zu manchen Zeiten Strom teurer ist als heute. Nur so kommt es zu einer Verlagerung des Stromverbrauchs in Zeiten mit Überschuss-Angebot an Strom -- und das ist ja der Sinn der Flexibilisierung der Tarife.  Allerdings verhindert der hohe Anteil an Abgaben und Steuern von rund 54 % am Endverbrauchspreis eine massive Flexibilisierung der Stromtarife.

Eine überwältigende Mehrheit begrüßt den kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien bis 2050. Was bedeutet der Komplettumstieg für die Energieproduktion und die Netze?
Neben sehr hohen Kosten kann ein kompletter Umstieg auf 100% Erneuerbare eine Verschlechterung der Versorgungssicherheit mit Strom bedeuten. Das hängt sehr vom weiteren Ausbau der Stromnetze ab, sowie von der Flexibilisierung der Stromnachfrage, Speichermöglichkeiten, etc.

Bei einem Wechsel der Stromanbieter beklagen 43 % der Befragten, dieser sei zu kompliziert. Was kann man dagegen tun?
Tatsächlich ist der Wechsel eines Handy-Vertrages meiner Auffassung nach wesentlich komplizierter als der Wechsel des Stromversorgers und finanziell in der Regel auch weniger attraktiv. Wollen die Stromversorger also mehr Neukunden gewinnen, müssen sie ihre Angebote noch attraktiver machen als bisher und selbst mehr Werbung dafür betreiben. Es ist allerdings schon fraglich, ob noch attraktivere Stromangebote möglich sind.

Viele Befragte sorgen sich bei Smart-Metern um die Sicherheit – über die Hälfte befürchtet Hackerangriffe, knapp ein Drittel sieht Datenschutz-Probleme. Wie lässt sich der Missbrauch der digitalen Infrastruktur verhindern?
Die Erfahrung zeigt, dass niemand und nichts gegen Hacker-Angriffe gefeit ist. Aber das hält niemanden davon ab, das Internet zu benutzen und auch Online-Banking zu betreiben. Es ist die Frage, ob die Hürden für Hacker beim Smart-Meter ähnlich hoch gesetzt werden müssen, wie beim Online-Banking. Dies zeigt: Smart-Metering ist wohl nicht für jedermann attraktiv und lohnt sich vor allem kaum für Leute, die keine Digital Natives sind.