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18.10.2017
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KABELZWANG BEI WOHNUNGSBAUGESELLSCHAFTEN VERHINDERT WETTBEWERB

Warum DVBT2 für Verbraucherschützer dennoch ein Erfolg ist

Michael Gundall, Referat Telekommunikation und digitale Medien der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V.

Michael Gundall, Referat Telekommunikation und digitale Medien der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V. [Quelle: Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V.]


"Grundsätzlich führte in Deutschland kein Weg an der Umstellung auf DVB-T2 HD vorbei", sagt Michael Gundall von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V.. Verschiedene Verbreitungswege haben aus seiner Sicht ganz verschiedene Vorteile.


Wir erleben das Ende der kostenlosen Probephase für die Privatprogramme bei DVB-T2. Ist DVB-T2 HD schon jetzt ein Erfolg?
Grundsätzlich führte in Deutschland kein Weg an der Umstellung auf DVB-T2 HD vorbei. Die Beibehaltung von DVB-T hätte auf längere Sicht zum Misserfolg und somit zum Ende der Terrestrik geführt. Daher ist DVB-T2 HD schon jetzt als Erfolgsmodell zu sehen. Auch wenn eine größere Anzahl von Verbrauchern nach Ablauf der Gratisphase ihr Pay-TV Abo nicht verlängern, bedeutet dies lediglich, dass sie sich gegen die großen Privatsender entschieden haben, jedoch nicht gegen die Terrestrik als Übertragungsweg.

Wie lautet Ihre Prognose, wie es nach der Einführungsphase bei DVB-T2 weitergeht?
Der weitere Ausbau wird wesentlich einfacher werden, da man auf die Erfahrungen der Umstellung Ende März, die eine technische Meisterleistung darstellt, zurückgreifen kann. Was nach Abschluss der Umstellung auf DVB-T2 wieder etwas schwieriger wird, sind die Frequenzumstellungen bzw. der damit verbundene Sendersuchlauf, wenn im Zuge der Digitalen Dividende II das 700 MHz Frequenzband endgültig freigeräumt werden muss.

Ist das Geschäftsmodell  von freenet TV für die Verbraucher attraktiv?
Letztendlich muss jeder Verbraucher selbst entscheiden, ob er sich für das Pay-TV Angebot von freenetTV entscheidet oder nicht. Während es für wechselwillige Kabelkunden durchaus attraktiv sein kann, wird ein Satellitenkunde wohl kaum einen Wechsel des Empfangsweges anstreben, zumal es beim Satellit noch die kostenfreie SD-Ausstrahlung ohne Restriktionen bei der Aufnahme gibt.

Welche Vor- und Nachteile sehen Sie bei DVB-T2? Was können die anderen TV-Übertragungswege Streaming/Sat/Kabel ggf. besser, was schlechter? Werden Internet-Streamingdienste über kurz oder lang die Fernsehterrestrik ablösen oder sollte dieser Standard auch aus Verbrauchersicht künftig gehalten werden?
Streamingdienste haben den entscheidenden Nachteil, dass sie zum einen von einer konstant störungsfreien Internetleitung sowie einer echten Flatrate abhängig sind und zum anderen – gerade bei den Privatsendern – oft noch keine echte HD-Qualität verfügbar ist. Wie schon erwähnt, wird ein Satellitenzuschauer den Wechsel auf DVB-T2 eher nicht in Erwägung ziehen, allenfalls eventuell noch als „Havarieweg“, sprich der einfachen Einschleusung am Multischalter der Satellitenanlage. Bedingt durch die extrem große Programmvielfalt, insbesondere bei ausländischen Sendern, ergibt ein Wechsel von Satellit auf eine andere Infrastruktur kaum einen Sinn. Kabelfernsehnutzer können  nur wechseln, wenn sie  ihren Kabelvertrag kündigen können, also nicht „zwangsverkabelt“ sind. Unserer Ansicht nach verhindert gerade dieser Zwang zum Kabelfernsehen bei Wohnungsbaugesellschaften den Wettbewerb der Fernsehinfrastrukturen. Den großen Vorteil von DVB-T2 sehen wir vor allem für Verbraucher, die mit einem überschaubaren Programmangebot zufrieden sind und die ihr Fernsehprogramm von unterwegs nutzen wollen. Gerade hier liegt der große Vorteil von DVB-T2 gegenüber Streamingdiensten: Es ist unabhängig von der verfügbaren Datenrate und auch unabhängig vom gebuchten Datenvolumen.