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11.12.2017
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NACH 40 JAHREN IM SHOWBIZ AUS DEM NÄHKÄSTCHEN PLAUDERN

Wie Musiker ein Radioprogramm als Moderator bereichern können

Ingrid Peters, Sängerin und Rundfunkmoderatorin

Ingrid Peters, Sängerin und Rundfunkmoderatorin [Quelle: Manfred Esser]


"Jeder Musiker bringt etwas mit, was der klassische Moderator nicht unbedingt hat", sagt Sängerin Ingrid Peters. Sie hat seit 1976 vierzehn Alben und eine ganze Reihe von Charthits veröffentlicht. Mit ihrem Lied Afrika belegte sie 1983 in der legendären ZDF-Hitparade Platz 1. Bei der SR 3 Saarlandwelle moderiert sie eine Radiosendung.


Sie gestalten Sendungen im Radio. Was reizt Sie daran?
Als ich anfing zu moderieren, war das zunächst lediglich eine willkommene Abwechslung - eine andere Perspektive zur praktizierten Musik. Das ist lange her, und das Programm war damals noch sehr weit gefächert: von Tagesschlagern national und international über alle Bereiche bis hin zur Operette. In dieser Zeit habe ich viel dazu gelernt, und es war sehr spannend, ein neues Medium zu probieren. Sprechen ohne ein sichtbares Gegenüber … eine Übung, die mir nicht leichtgefallen ist. Aber Stillstand ist Rückschritt. Heute fällt mir das etwas leichter - und dennoch ist es jedes Mal wieder eine Herausforderung und das nicht nur wegen der Technik, die man selbst bedienen muss.

Was können Sie besser als klassische Moderatoren?
Da muss ich lachen…das sollten Sie besser die Anderen fragen. Dennoch: jeder Musiker bringt etwas mit, was der klassische Moderator nicht unbedingt hat. Und das ist die Erfahrung durch viele öffentliche Auftritte, den Umgang mit großen und kleinen Orchestern, die Arbeit im Studio, wenn ein neuer Song entsteht. Der Blickwinkel ist eben ein bisschen anders. Es kann nicht schaden, aus eigener Erfahrung zu wissen, was Musik in der Lage ist, im Menschen zu bewegen, wenn man eine reine Musiksendung moderiert.

Außerdem kann ich ja auch aus dem Nähkästchen plaudern. Es gibt viele Künstler, die ich im Laufe meiner 40 Jahre Showbiz persönlich kennen- und schätzen gelernt habe. Bedauerlicherweise wird der Topf, aus dem ich schöpfen kann, immer kleiner, weil viele meiner Kollegen nicht mehr gespielt werden.

Wie viel Freiheit haben Sie bei der Gestaltung ihrer Sendungen?
Das Programm wird grundsätzlich von einer Redaktion bestimmt. Dennoch darf ich ab und zu auch einen ganz persönlichen Lieblingstitel einfließen lassen (selbstverständlich keine Lieder von mir), wenn damit ein besonderes Erlebnis verbunden ist, über das ich erzählen möchte. Dabei geht es jedoch nicht um mich, sondern um den entsprechenden Künstler. Solche Änderungen sind im Nachgang etwas Arbeit für den Redakteur, aber das ist mir gestattet.

Ganz allgemein, auch im Angesicht digitaler Konkurrenz wie etwa Streaming – liegt die Zukunft des Formatradios im wohldosierten Formatbruch?
Hier kann ich nur meine ganz subjektive Meinung zum Besten geben: persönlich freue ich mich über jeden noch so kleinen Formatbruch. So gibt es in meiner Sendung mittlerweile fast regelmäßig pro Stunde einen Titel zu hören, der sich vom täglichen Einerlei deutlich abhebt, weil er auf irgendeinem Album versteckt ist … eben keine „A-Seite“. Ich war und bin der Meinung, dass langfristiger Erfolg nur dann entstehen kann, wenn Radio Charakter zeigt.