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24.09.2017
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NEUE PLATTFORM ALS CHANCE FÜR FILME AUS DER ZWEITEN REIHE

Was die Produzenten von Pantaflix erwarten

Alexander Thies, Vorsitzender des Gesamtvorstands der Allianz Deutscher Produzenten Film & Fernsehen e.V.

Alexander Thies, Vorsitzender des Gesamtvorstands der Allianz Deutscher Produzenten Film & Fernsehen e.V. [Quelle: Produzentenallianz]


Alexander Thies, Vorsitzender des Gesamtvorstands der Produzentenallianz, begrüßt die Initiative für eine neue Film-Plattform im Internet. Daraus könne sich für die Zuschauer die Chance ergeben, "viele Filme, die vielleicht nur sehr kurz im Kino zu sehen waren oder allzu spät im Fernsehen liefen, im individuellen Abruf doch noch zu entdecken."


Auf dem neuen deutschen Streaming Portal Pantaflix wollen die Betreiber mit hochwertigen deutschen und internationalen Produktionen den Markt erobern – welche Chancen hat so ein Projekt gegen die großen US amerikanischen Platzhirsche anzukommen?
Natürlich ist das eine große Herausforderung. Voraussetzung, um sich in diesem umkämpften Markt durchzusetzen, wird es voraussichtlich sein, den Nutzern ein eigenständiges und sich von den US-amerikanischen Anbietern (z.B. Netflix und Amazon) abgrenzendes Angebot anzubieten. Wenn es Pantaflix gelingt, hier eine sehr umfassende Plattform zu präsentieren, auf der auch sonst nicht verfügbare Titel zu finden sind, so erscheint mir dies als durchaus interessant. Dabei wird es natürlich wichtig sein, den Nutzern eine Navigation zur Verfügung zu stellen, die es ihnen ermöglicht, sich rasch und einfach in der großen Vielfalt angebotener Filme zurechtzufinden. Aus Sicht der Produzenten erscheint an dem Pantaflix Angebot zudem besonders interessant, dass es Freischaltungen für einzelne Länder der Welt ermöglichen soll. Dies würde den Produzenten nicht nur die Auswertungschancen in den einzelnen Ländern sichern – ein Aspekt, der angesichts der fortdauernden Diskussion um die Abschaffung des Geoblocking von entscheidender Bedeutung ist. Darüber hinaus könnte dies eine gezielte Vermarktung auch in Territorien ermöglichen, für die sich bislang noch kein Lizenznehmer gefunden hat.

Aus Sicht unseres Verbandes begrüßen wir es natürlich, wenn sich weitere Plattformen am Markt etablieren können, die auch den Filmen „aus der zweiten Reihe“ die Chance geben, ihre Zuschauer zu erreichen. Das wird den Nutzern ermöglichen, viele Filme, die vielleicht nur sehr kurz im Kino zu sehen waren oder allzu spät im Fernsehen liefen, im individuellen Abruf doch noch zu entdecken.
 
Bislang ist kein Abo Modell angekündigt. Stattdessen bestimmen die Produzenten über die Leihgebühr der einzelnen Titel mit – ein gutes Modell?
Pantaflix ist noch ein sehr junges Angebot. Welche Vergütungsmodelle sich hier auf Dauer durchsetzen werden, werden die nächsten Jahre zeigen. Wichtig wird dabei sein, dass diese einfach und klar sind. Das wäre in einem Abo Modell zunächst vielleicht leichter zu vermitteln. Aber auch in einem Transaktionsmodell lassen sich klare Vergütungsstrukturen umsetzen. Wie diese dann von den Nutzern angenommen werden, wird sich sicher rasch zeigen. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass Pantaflix auf etwa deutlich werdende Präferenzen der Nutzer reagieren wird. Bei der großen Zahl der von Pantaflix geplanten Titel wäre ein Abo Modell hier sicher schwer umzusetzen.
 
Bis Jahresende sollen 40.000 Titel bereitstehen, langfristig könnten es noch viel mehr werden. Wie lässt sich verhindern, dass Film Perlen in dieser Masse untergehen?
Wie gesagt, wird eine gute Menüführung bei einer so großen Anzahl von Titeln besonders wichtig werden. Darüber hinaus können die bei Pantaflix erhältlichen Empfehlungen eines Experten Teams auf besonders interessante Neueinstellungen hinweisen.
 
Bei den Empfehlungen setzt Pantaflix auf ein Experten Team statt auf Algorithmen. Was kann eine Redaktion besser, als ein Programm?
Ich halte das für einen interessanten Ansatz. Die Skepsis gegenüber Algorithmen nimmt in der Diskussion über die Gefährdungen der digitalen Welt ja eher zu. Hier kann es eine Chance bedeuten, sich durch Experten Empfehlungen, die sich einen Vertrauensbonus erarbeitet haben, im Markt von anderen Angeboten zu differenzieren.