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22.06.2017
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PRIVATVERKEHR IN DAS ÖPNV-ANGEBOT INTEGRIEREN

Deutscher Städte- und Gemeindebund fordert Umdenken bei Gesetzgebern und Genehmigungsbehörden

Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer Deutscher Städte- und Gemeindebund e.V.

Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer Deutscher Städte- und Gemeindebund e.V. [Quelle: Deutscher Städte- und Gemeindebund e.V.]


Der Pkw spielt derzeit noch immer eine große Rolle auf dem Land, weil das ÖPNV-Angebot nicht immer passt. Das sagt Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer Deutscher Städte- und Gemeindebund. Er fordert jetzt eine bessere Vernetzung aller Verkehrsangebote auf dem Land. "Das Personenbeförderungsgesetz sollte stärker neue Formen des öffentlichen Verkehrs zulassen. Gesetzgeber und Genehmigungsbehörden müssen aufhören, vom öffentlichen Nahverkehr als Linienverkehr zu denken. Die Integration privater Fahrten in das ÖPNV-Angebot muss möglich werden."


Wie bewerten Sie Stand und Perspektiven für die Mobilität im ländlichen Raum, gerade im Hinblick auf viele wegfallende ÖPNV-Angebote?
Der Pkw spielt derzeit noch eine große Rolle, weil das ÖPNV-Angebot nicht immer passt. Aber digitale Vernetzung und das autonome Fahren haben ein großes Potenzial, den ÖPNV besser zu machen.  Über digitale Plattformen können Mitfahrten organisiert werden, das autonome Fahren in vernetzten Fahrzeugen ermöglicht das Arbeiten von unterwegs. Die ÖPNV-Unternehmen sind die geborenen Partner, um dies zu organisieren und durchzuführen.

Welche Forderungen haben Sie ggf. als zentrale Interessenvereinigung der deutschen Städte und Gemeinden?
Die Vernetzung der Verkehrsangebote muss gefördert werden. Das Personenbeförderungsgesetz sollte stärker neue Formen des öffentlichen Verkehrs zulassen. Gesetzgeber und Genehmigungsbehörden müssen aufhören, vom öffentlichen Nahverkehr als Linienverkehr zu denken. Die Integration privater Fahrten in das ÖPNV-Angebot muss möglich werden.

Wie könnten neue Mobilitätskonzepte im ländlichen Raum aussehen, damit ländliche Regionen nicht gegenüber den Städten abgehängt werden?
Die klassischen Haltestellen sollten durch Mobilitätsstationen abgelöst werden. Der digitale Fahrschein sollte die Eintrittskarte zu vernetzten Verkehrsangeboten werden: von E-Autos über Fahrräder und Pedelecs, dem Car- und Bike-Sharing bis hin zum klassischen ÖPNV. Mitnahmeverkehre ergänzen das Angebot an Orten oder zu Zeiten, an denen keine Busse und Bahnen fahren.

Welche Möglichkeiten bieten integrierte Mobilitätskonzepte auf dem Land? Welchen Chancen bietet ggf. der autonome on demand-Verkehr?
Integrierte Mobilitätskonzepte ermöglichen eine Mobilität, die auf die Bedürfnisse der Menschen zugeschnitten ist. Autonomes Fahren und demand-Verkehr tragen dazu bei, den ländlichen Raum attraktiv zu halten: Damit junge, gut ausgebildete Menschen dem ländlichen Raum nicht mehr den Rücken kehren und Senioren dort wohnen bleiben, wo sie sich wohl fühlen.

Wie sieht Ihre persönliche Zukunftsvision von der Mobilität im ländlichen Raum aus und was gehört alles dazu?
Die Abhängigkeit vom eigenen Auto wird perspektivisch abnehmen, Mitnahmeverkehre werden überall verfügbar sein. Die bestehenden Angebote von Bus und Bahn werden digital vernetzt. Über eine App sind alle Informationen zu Fahrzeiten, Anschlüssen und Preisen verfügbar. Fahrgäste werden mit einer einzigen elektronischen Fahrkarte alle Angebote nutzen und bezahlen können, ohne dass man vorher eine Schulung im Tarifsystem braucht.