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24.11.2017
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RADIO IST NACH WIE VOR DAS ZENTRALE MUSIKMEDIUM IN DEUTSCHLAND

Warum es manche Musik schwer hat

Prof. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie

Prof. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie [Quelle: BVMI/Markus Nass]


"Die Nachfrage nach in Deutschland produzierter und auch nach deutschsprachiger Musik hat gerade in den 10er Jahren dieses Jahrtausends erheblich zugenommen", konstatiert Prof. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie. Darunter gibt es Seichtes und engagierte Angebote und Sparten.


Eine Böhmermann-Satire zeichnet von der deutschen Pop-Musik das Bild eines Rückfalls in die Heile-Welt-Klischees der 1950er vor. Teilen Sie diesen Befund?
Nein, das tue ich nicht. Die von Jan Böhmermann aufs Korn genommenen musikalischen Themen gab es immer und wird es auch immer geben, solange sich Menschen dafür interessieren. Insgesamt haben wir aber – auch und gerade in Deutschland! – zahlreiche engagierte Angebote und Sparten, die eine solche Kritik deutlich widerlegen.

Der Böhmermann-Beitrag beklagt häufiges Produkt-Placement in Video-Clips zu Popsongs. Welche Regeln sollten für diese Art der Werbung gelten?
Für Product Placement gelten bereits Regeln, weiterer Bestimmungen bedarf es meines Erachtens in diesem Zusammenhang nicht. Entscheidend ist dagegen einmal mehr, dass die Nutzerinnen und Nutzer über Skills wie eine ausreichende Medienkompetenz verfügen, ein Musikvideo und seine Inhalte also einordnen und Product Placement entsprechend als solches identifizieren können.

Viele Künstler, die mit ihren Alben in den Charts sehr erfolgreich sind, finden im klassischen Musikradio wenig statt. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?
Die Nachfrage nach in Deutschland produzierter und auch nach deutschsprachiger Musik hat gerade in den 10er Jahren dieses Jahrtausends erheblich zugenommen. Dass trotzdem im Radio vergleichsweise wenig deutsche und deutschsprachige Titel laufen, ist angesichts ihrer derzeitigen Popularität schwer nachvollziehbar. Hier bleibt der klare Appell an die Radios, mehr nationales Repertoire zu wagen. Insbesondere auch deshalb, weil das Radio nach wie vor das zentrale Musikmedium in Deutschland ist.

Ein Blick in die Kristallkugel: Welche Trends könnten den deutschen Pop-Markt in der nächsten Zeit prägen?
Aktuell steht Hip-Hop für ein Zehntel des Gesamtumsatzes und belegt damit Platz 3 im Genre-Ranking nach Pop und Rock. Auch Dance hat es 2016 zum zweiten Mal unter die Top 5 geschafft, beides sind nach meiner Einschätzung Trends, die sich noch eine Weile fortsetzen werden. Und auch, wenn es inzwischen durchaus wieder einige junge deutsche Bands gibt, die mit englischen Texten an den Start gehen, wird deutschsprachige Musik in den kommenden Jahren weiterhin populär sein, sowohl in den Bereichen Pop und Rock als ganz besonders auch im Hip-Hop. Die aktuelle Popularität etwa des 80er Jahre Wave-Sounds dagegen wird vermutlich kurzlebiger sein oder sich sehr schnell deutlicher absetzen bzw. weiterentwickeln. Generell aber wird die Wiederentdeckung früherer Musik bzw. deren klangästhetische Weiterentwicklung durch moderne Sounds uns insbesondere in den Bereichen Pop und Dance noch eine ganze Weile begleiten.