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24.11.2017
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SACHSEN WILL IM DIGITALEN WANDEL ZU EINER FÜHRENDEN REGION IN EUROPA WERDEN

Wo der Freistaat Millionen investiert - und wo die herkommen

Stanislaw Tillich (CDU), Ministerpräsident des Freistaates Sachsen

Stanislaw Tillich (CDU), Ministerpräsident des Freistaates Sachsen [Quelle: Sächsische Staatskanzlei / Laurence Chaperon]


Hardware, Software und Connectivity - Ministerpräsident Stanislaw Tillich sieht in Sachsen die gesamte digitale Wertschöpfungskette vertreten. "Rund um den Leuchtturm Mikroelektronik hat sich in Sachsen ein leistungsfähiges digitales Ökosystem mit klugen Köpfen gebildet."


Bayern und Baden-Württemberg haben umfangreiche Investitionen in die digitale Infrastruktur angekündigt. Wo steht Ihr Bundesland auf dem Weg der digitalen Gesellschaft?
Digitalisierung bedeutet ja nun wahrhaftig nicht alleine, Milliarden für den Breitbandausbau und damit Tiefbau zu investieren. Uns in Sachsen als bedeutendsten Mikroelektronik-Standort ist es ebenso wichtig, technologische und digitale Kompetenzen zu erhalten, weiterzuentwickeln und zu vernetzen. Denn davon hängt die künftige Wettbewerbsfähigkeit der sächsischen, der deutschen und der europäischen Unternehmen ab. Klar ist aber auch: Wir investieren weiterhin in flächendeckendes und schnelles Internet.

Neben der Infrastruktur wollen die beiden Südländer auch Themen wie Bildung und Sicherheit angehen. Welches sind die Schwerpunkte in Sachen Digitalisierung in ihrem Bundesland jenseits des Netzausbaus?
Unser Ziel ist es, dass sich Sachsen im digitalen Wandel zu einer technologisch, wirtschaftlich, aber auch kulturell führenden Region in Europa entwickelt. Mit der Digitalisierungsstrategie „Sachsen Digital“ haben wir einen Überblick zu den wesentlichen Aktivitäten des Freistaats im Bereich der Digitalisierung erarbeitet.

Rund um den Leuchtturm Mikroelektronik hat sich in Sachsen ein leistungsfähiges digitales Ökosystem mit klugen Köpfen gebildet. Allein im dynamisch wachsenden Software-Bereich sind über 30.000 Mitarbeiter beschäftigt. Im „5G Lab Germany“ an der Technischen Universität Dresden wird der kommende schnelle Mobilfunkstandard federführend mit entwickelt. Das heißt: Wir bilden im Freistaat die komplette digitale Wertschöpfungskette von Hardware, Software und Connectivity ab. 

Dabei können wir auf das Know-how der sächsischen Wirtschaft und Wissenschaft setzen: Innovative Unternehmen, eine breit aufgestellte Forschungslandschaft und ganz aktuell die beiden sächsischen Standorte Dresden und Leipzig im digitalen hub-Konzept der Bundesregierung. Große Namen wie Bosch folgen dem guten Ruf und investieren in Sachsen in die Zukunft. Wir gehen gemeinsam wichtige Schritte auf dem Weg ins digitale Zeitalter, sei es im Bereich der Telemedizin, der Industrie 4.0, der Cybersicherheit, des autonomen Fahrens sowie in vielen anderen Lebensbereichen. Deshalb lassen wir  auch die kleineren und mittleren Unternehmen in Sachsen bei der Digitalisierung nicht alleine und unterstützen sie mit verschiedenen Förderprogrammen und Angeboten.

Bayern und Baden-Württemberg haben Milliarden-Investitionen angekündigt. Drohen die reichen Südländer andere Regionen abzuhängen? Und inwieweit sollte der Bund hier gegensteuern?
Der Bund fördert die Entwicklung „gleichwertiger Lebensverhältnisse“, d.h. er unterstützt den Ausbau der digitalen Infrastruktur in jeder Region Deutschlands. Natürlich stehen den wirtschaftlich sehr starken Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg im Bundesvergleich ganz andere Investitionsmittel zur Verfügung als vielen anderen Bundesländern – das gilt aber auch für andere Bereiche wie beispielsweise Straße und Schiene. Aber es ist vor allem Aufgabe jedes einzelnen Bundeslandes selbst, die Entwicklung zur digitalen Zukunft weiter voranzutreiben mit den Mitteln, die zur Verfügung stehen.

Die Digitalisierung erfordert Gründer- und Unternehmergeist sowie Innovationsbereitschaft. Welche Anreize setzt Ihre Regierung dafür?
In Sachsen hat die Gründungstätigkeit in diesem Jahr leicht zugelegt. Das steht im Gegensatz zum Bundestrend. Nicht nur in der „Start-up-Hochburg“ Leipzig ist der Mut und Wille für Unternehmensgründungen stark. Diesen Gründer- und Unternehmergeist, der im ganzen Land spürbar ist, unterstützen wir als Freistaat gern branchen- und technologieoffen mit zahlreichen Instrumenten wie Gründerinitiativen, dem Technologiegründerstipendium oder den Technologiegründerfonds.

Im Rahmen der Förderprogramme EFRE und ESF investiert der Freistaat von 2014 bis 2020 rund 550 Mio. Euro in Instrumente wie die Technologieförderung und die Bildung und Entwicklung sogenannter InnoTeams, InnoExperts und InnoManager. Seit Beginn der neuen Strukturfondsperiode haben wir bereits über 1.100 Technologieprojekte mit ca. 250 Mio. Euro aus dem EFRE, dem ESF und aus Landesmitteln gefördert. Daran wollen wir anknüpfen und mit der Richtlinie „Landes-Technologieförderung“ die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft weiter verbessern, den Technologietransfer intensivieren und die Innovationskraft der gesamten sächsischen Wirtschaft stärken. Davon können alle profitieren - nicht nur die High-Tech-Branchen, sondern auch zum Beispiel die Land- und Forstwirtschaft.