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11.12.2017
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Der Weltklasse-Athlet Andreas Toba über seinen Sport und das besondere Fernsehgeschäft

Andreas Toba, Olympia-Starter im Turnen

Andreas Toba, Olympia-Starter im Turnen [Quelle: Andreas Toba]


Der Weltklasse-Kunstturner Andreas Toba ist trotz schwerer Verletzung mit seinem unbändigen Einsatz bei den Olympischen Spielen 2016 weltberühmt geworden. Für das Olympia-Drama hat Toba den Publikums-Bambi und den Manfred-von-Richthofen-Solidaritätspreis bekommen. Jetzt fordert der authentische Sportstar auch mehr mediale Aufmerksamkeit für seine Disziplin, das Turnen.


Herr Toba, Sie haben als „Hero De Janeiro“ mit einer schweren Knieverletzung am Pferd geturnt und das deutsche Team ins Olympia-Finale gebracht. Zuerst – wie geht es Ihnen derzeit?
Leider geht es mir derzeit noch nicht wie gewünscht. Nach meiner Kreuzband-OP im August war ich auf einem guten Weg, habe mich im Februar dann aber nochmal am Meniskus verletzt. Seither wurde ich noch zweimal am Knie operiert, so dass sich das Comeback noch etwas hinzieht.

Nach dem Olympia-Drama haben Sie den Publikums-Bambi und den Manfred-von-Richthofen-Solidaritätspreis bekommen. Wie haben Sie die große mediale Aufmerksamkeit nach Rio erlebt?
Sie haben recht, ich habe auf jeden Fall unglaublich viel Aufmerksamkeit erlebt, die ich zuvor in diesem Maße noch nie so erfahren habe, obwohl ich vorher zum Beispiel schon den deutschen Meistertitel im Mehrkampf geholt hatte. Ich empfinde es auf jeden Fall als eine Ehre, dass mir diese Aufmerksamkeit zuteilgeworden ist, aber anders herum ist mein Handeln ja ganz normal gewesen. Deshalb war es für mich ein etwas eigenartiges Gefühl, so viel Aufmerksamkeit zu erhalten. Zu meiner Beziehung zu den Medien kann ich nur sagen, dass ich in Interviewsituationen das sage, was mir in dem Moment durch den Kopf geht und was ich für richtig halte. Das ist vielleicht der Grund, dass ich – so wie mir nachgesagt wird – authentisch herüberkomme.

Einige Medien sind an emotionalen Geschichten mehr interessiert als an sportlichen Ergebnissen. Wie begegnen Sie dem?
Der Moment, in dem ich mir den Kreuzbandriss bei Olympia zugezogen hatte, der war sehr, sehr emotional. Deswegen ist es in Ordnung, dass Medien in diesem Moment die emotionale Seite auch zeigen. Wir sind ja alle nur Menschen und wir werden von unseren Emotionen beeinflusst. Natürlich hätte ich mir den Fortgang des Wettkampfes anders gewünscht. Dass ich dort einen ordentlichen Wettkampf und ein ordentliches Ergebnis hingelegt hätte und damit in den Medien konfrontiert geworden wäre. Aber das ist ja nun mal nicht passiert und mein Zwischenfall war nun mal emotional und da darf man durchaus schon mal emotional darauf reagieren.

Bei Olympia verfolgen Millionen die Berichterstattung, danach ebbt das Interesse der TV-Stationen an Sportarten wie Turnen merklich ab. Wie würden Sie sich die Berichtserstattung wünschen?
Natürlich würde ich mir wünschen, dass viele Zuschauer an den Ergebnissen von Turnwettkämpfen, an Storys der Nationalmannschaft auch interessiert sind. Es gibt immer Angebot und Nachfrage und wenn die Nachfrage bei anderen Sportarten eben größer ist als die beim Turnen, dann müsste man sich einfach grundsätzlich auf nationaler und auf internationaler Ebene überlegen, wie man Turnen besser in Szene setzen kann. Die Leistung, die wir erbringen, steht komplett nicht in der Relation von dem, was wir dafür an Aufmerksamkeit bekommen. Das ist bei anderen Sportarten nicht so.

Was würden Sie daran gern ändern?
Natürlich ist es irgendwo traurig, aber wenn es keine Nachfrage nach den Ergebnissen vom Turnen gibt, dann ist es so. Natürlich liegt es auch daran, dass wir bei jeder Sportart Gesichter brauchen. Die haben wir mit Fabian Hambüchen mittlerweile, mit Marcel Nguyen und mit Elisabeth Seitz. Also die Leistungen und die Gesichter sind theoretisch da. Aber es reicht ja nicht, einen coolen Typen zu haben, den man ordentlich vermarkten kann, sondern es geht um eine Sportart. Und wenn diese Typen dann nicht mehr da sind, müssen wir an die Zukunft denken. Es gibt auch schüchterne Menschen, die sich in der Öffentlichkeit nicht so gern äußern, sondern sich eher zurückhaltend sind - dann fehlt uns das Gesicht. Daher müssen wir es schaffen, dass die Sportart Turnen attraktiver wird. Leider habe ich dafür auch keine Idee, wie man das machen kann und das ist ja auch in dem Sinne nicht meine Aufgabe. Ich glaube, es liegt auch ein bisschen an den Sehgewohnheiten an sich. Es ist schwieriger, bei einer Sportart zuzuschauen, bei der man aktiv mitrechnen muss und vielleicht noch nicht einmal versteht, warum die Wertung jetzt genau so ist, wie sie ist. Unter diesen Voraussetzungen ist es natürlich schwieriger, ein großes Publikum zu finden. Man sieht das auch immer an den Shows. Wenn man Shows turnt, bei denen es keine Wertung gibt, kommen plötzlich viele Menschen und sehen sich das an. Bei einem Wettkampf ist die Halle nur noch zu einem Drittel gefüllt.

Wie läuft derzeit Ihr Alltag ab, Herr Toba?
Es ist für diesen Monat so, dass ich nur noch 4 Termine wahrgenommen habe, weil ich die Priorität aufs Training lege, auf Physiotherapie und die Reha. Grundsätzlich bin ich momentan sehr viel medizinisch unterwegs. Ich halte immer wieder mit Ärzten Rücksprache, was ich machen kann und was nicht. Zusammen behalten wir im Blick, wie sich das Knie entwickelt. Im Normalfall bin ich zweimal am Tag in der Halle und trainiere nur am Pauschenpferd, da ich mit dem Bein noch nicht zu viel machen kann. Die anderen Geräte muss ich momentan bei Seite lassen. A ist die Gefahr, dass ich mich an den anderen Geräten eher verletzte als am Pauschenpferd und b ist die Zeit bis zu den deutschen Meisterschaften, also bis zum Deutschen Turnfest ziemlich knapp. Die Zeit reicht für eine vernünftige Vorbereitung nur für ein Gerät aus. Um mich perfekt oder so gut es geht auf mehrere Geräte vorzubereiten, sind 2 ½ Monate einfach zu kurz. Deswegen konzentriere ich mich für das Deutsche Turnfest auf ein Gerät. Also wenn ich überhaupt an den Start gehe, das ist ja auch noch nicht 100%ig sicher.

Sie tragen im Training und in der Reha Orthesen bzw. Bandagen von Bauerfeind, einem Hersteller für medizinische Hilfsmittel aus Zeulenroda. Wie gut kommen Sie mit diesen medizinischen Hilfsmitteln zurecht und wie geht es Ihnen bei diesem Thema?
Klar schlägt so ein Begriff wie Schienen und Orthesen erst einmal ein. Ich habe bei früheren Verletzungen auch schon mit Bandagen geturnt. Einmal bin ich schlecht gelandet und habe mir an den Füßen gleichzeitig links und rechts die Bänder gerissen. Seinerzeit habe ich auch weiter geturnt und musste schauen, was ich an meine Füße für Bandagen bekomme. Auch von Einlagen hatte ich schon mal gehört. Aber so professionell wie es momentan über Bauerfeind läuft, das habe ich in dem Maße noch nicht erlebt. Ich bin sehr dankbar, dass mir überhaupt die Möglichkeit gewährt wird, hier einen Einblick zu bekommen und das auch so viel für mich gemacht wird. Da sind zum Beispiel diese Einlagen, die Schienen oder die Orthesen, die ich ja im Training benutze. Das ist schon Luxus, mit dem normalerweise Leistungssportler nicht konfrontiert werden. Da muss ich wirklich Hut ab sagen an Bauerfeind - für diese tolle Zusammenarbeit. Gott sei Dank, das erleichtert mir auf jeden Fall mein Training um einiges.

Herr Toba, herzlichen Dank für das Interview.